Aug
22
2015

“Ich mach mir die Welt…” oder wie ein rotes Feuerzeug mit voller Wucht am Kopf der Fans landet.

Das Entsetzen war groß nach dem Abbruch des Pokalspiels gegen das Projekt aus Leipzig. Ein Feuerzeug, das am Kopf des Schiedsrichters landete, stürzte die Fangemeinde in tiefe Trauer. Es war ein Pokalspiel wie man es sich in Fußballdeutschland wünscht. Ein Kampf der Systeme. Tradition gegen Kommerz. “Oldschool” gegen den “modernen Fußball”. “Gut” gegen “Böse”. Groß gegen Klein. Leider ohne Happy End.

Dass der VfL – wie so oft – als Verlierer dasteht, liegt aber nicht nur am sportlichen Scheitern durch den mehr als dämlichen Feuerzeugwurf einer einzelnen Person durch das offene Fangnetz. Vielmehr richtete die darauf folgende Kommunikation den größeren Schaden an.

Unwahrheit seitens Jürgen Wehlend, dass der Täter ermittelt wurde. (OS1.tv, 11.8.2015)

Schon am nächsten Tag konnte man in der Presse einen Geschäftsführer sehen, der betonte, dass der Täter ermittelt wurde. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass dies vermutlich lediglich einem vorauseilendem Gehorsam gegenüber dem DFB geschuldet war. Auch eine Woche später wusste noch niemand um wen es sich handelt. Im Internet kursierten sogar hanebüchene Geschichten, dass der Täter im Umfeld der gehörnten Gegner zu suchen sei.
Bis heute scheint die Taktik gegenüber dem DFB zu sein es so darzustellen, dass man die Lage im Griff hat und alle erdenklichen Maßnahmen ergreift, um die – aus unserer Sicht an der Bremer Brücke nie gefährdete – Sicherheit zu gewährleisten. Dabei ist man sich auch nicht zu schade den eigenen Fans in den Rücken zu fallen. Die gleichen Fans, die im Sommer durch die Verlängerung des Crowdfunding dem VfL noch seine Existenz und dem Geschäftsführer seinen Job gesichert haben.

Unwahrheit seitens Jürgen Wehlend, dass die Fans sich nicht distanziert haben. (NOZ, 18.8.2015)

Aus dem oben verlinkten NOZ-Artikel stammt folgende Aussage:
“Eine klare Positionierung erwartet der VfL aus seiner organisierten Fanszene. Weder Fanabteilung noch Fanclubverband haben sich bislang in irgendeiner Form zu den Vorkommnissen geäußert, obwohl auch sie um den DFB-Pokal gebracht wurden – und ein Interesse an der Aufklärung des Falles haben müssten.”

Dazu würden wir gerne die am 20. August veröffentlichte Stellungnahme der Fanabteilung zitieren, die diesbezüglich recht deutlich ist:
“Die Fanabteilung hat sich an die seit den Reaktionen auf den Schneeballwurf von der Südtribüne im Spiel gegen den Karlsruher SC bestehende Vereinbarung mit der Geschäftsführung des VfL gehalten, öffentliche Stellungnahmen zu derartigen Belangen erst dann abzugeben, wenn ein Dialog zwischen Verantwortlichen des VfL und Vertretern der Fangruppierungen stattgefunden hat.

Gleichwohl ist dem VfL selbstverständlich bereits in der Einladung zum gestrigen Austausch vom 12.08.2015 das Bedauern über den Vorfall und seine Auswirkungen sowie eine deutliche Distanzierung der Fangruppierungen zur Tat ausgesprochen worden.”

Dass darüber hinaus Aufsichtsratsmitglied Reinhard Stiehl sich nicht zu schade ist, am gleichen Tag (!) “seinen” Geschäftsführer durch einen Leserbrief in der Print-Ausgabe zu unterstützen, indem er in das gleiche Horn bläst und eine “neue Fankultur” fordert, mag Zufall sein. Aber wer glaubt, in Zeiten in denen die örtliche Presse als Medienpartner bezeichnet wird, an solche Zufälle?

Verweigerung der Aussage durch Jürgen Wehlend im direkten Gespräch mit den Fans.

In der oben angesprochenen und wohlgemerkt direkt nach dem Pokalspiel von den Fans (!) initiierten Aussprache am 19. August wurde Jürgen Wehlend dann mit der oben zitierten Aussage aus dem verlinkten NOZ-Artikel konfrontiert, da hier nicht klar war, ob es sich um eine Interpretation der Presse handelt oder eine Aussage des Geschäftsführers.
Um sich eine weitere Unwahrheit zu ersparen, verweigerte er lieber gleich jede Aussage zu dem Zitat auch auf mehrmalige Nachfrage hin. Souverän geht anders. Glaubwürdig erst recht.

Jürgen Wehlend, der Fanbeauftragte und die Bewährungsstrafe.

Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass wir inzwischen über einen Teilausschluss der Fans reden. Klare Antwort. Unser Verein ist auf Bewährung. Das ist schlimm. Aber warum? Auslöser waren die Vorfälle in Münster, bei denen in Folge einer Provokation durch einen heimischen Ordner am Ende Mülltonne durch den Block flog. Hätte man das verhindern können? Wir denken ja. Der VfL Osnabrück ist seit über zehn Monaten ohne echten Fanbeauftragten, der in der Fanszene verankert und akzeptiert ist. Ein Fanbeauftragter, der die Kurve “lesen” und durch entsprechende Empathie und Respekt problematische Entwicklungen erkennt und rechtzeitig Einfluss auf die Fans nehmen kann. Bis heute gab es lediglich Übergangslösungen, die zum einen vom Sicherheitsdienst (hier wird der Bock zum Gärtner gemacht) oder vom Medienbeauftragten und ehemaligen Journalisten Rene Kemna übernommen wurden. Auch hier möchten wir gerne aus der Stellungnahme der Fanabteilung zitieren:

“Denn auch der VfL ist in der Pflicht, seine eigene Fanarbeit, ausgerichtet an der “Empfehlung für die Betreuung von Fußballfans” des DFB, wieder zu professionalisieren. Hierzu erwarten wir die Wiederaufnahme der zuletzt im Dezember 2014 zu diesem Thema geführten Gespräche durch die Geschäftsführung.
Professionelle Fanarbeit durch einen Fanbeauftragten, der diese Funktion hauptamtlich in vollem Umfang, mit Unterstützung durch den Verein und seine Fans, ausgestattet mit ergebnisfördernden Arbeitsbedingungen, ausführen kann, wird möglicherweise im Einzelfall nicht ein derartiges Vorkommnis vermeiden können. Sie trägt jedoch maßgeblich zu einer Sensibilisierung der eigenen Fans bei und kann präventiv, gemeinsam mit den organisierten Fangruppen und dem Fanprojekt derart wirken, dass eine Reduzierung der Wahrscheinlichkeit eines solches Vorkommnisses nachhaltig und glaubwürdig eingeleitet wird. Auch dieser konkrete Vorschlag ist beim gestrigen Treffen Geschäftsführung und Präsidium unterbreitet worden.

Wir nehmen uns selbst in die Pflicht, hieran zu arbeiten.
Ganz ausdrücklich nehmen wir jedoch auch die Geschäftsführung in die Pflicht, professionelle Fanarbeit zu gewährleisten.”

Automatisch zum Mittäter gemacht.

Stutzig macht in dem Zusammenhang auch die Stellungnahme der Violet Crew:
“Wer uns kennt, weiß wie wir zum Werfen von Gegenständen auf Menschen oder das Spielfeld generell stehen. Durch die gesteigerte mediale Aufmerksamkeit rund um das Pokalspiel sehen wir uns – und in besonderem Maße auch der Verein – allerdings einem hohen öffentlichen Druck ausgesetzt, der Erklärungen, Entschuldigungen und Distanzierungen verlangt.”

Als unangenehm empfinden wir, dass Handlungen immer wieder durch Aussagen von Vereinsverantwortlichen in der Öffentlichkeit mit dem “Schwarzen Peter” erpresst werden müssen. Wie oft konnte man schon sinngemäß folgende Aussagen lesen oder hören: “Wenn dies oder das nicht geschieht, dann seid ihr schuld wenn die Ausgliederung nicht kommt und der Verein stirbt.” oder “…dann seid ihr schuld, wenn die Strafe vom DFB höher ausfällt” oder “…dann seid ihr schuld, dass die Sponsoren nicht kommen oder abspringen”.
Auch im Gespräch am Mittwoch machte man seitens der Vereinsführung wieder deutlich, dass einige Sponsoren  Fans aus der Ostkurve unerträglich finden und dass man aufgefordert wurde, bestimmte Gruppen aus der Ostkurve zu entfernen. Wenn diese Aussagen so gefallen sein sollten, fragen wir uns, ob man den von Reinhard Stiehl geforderten Selbstreinigungsprozess nicht eher auf bestimmte Sponsorenkreise beziehen muss.
Man kann es nicht mehr hören. Für alles, was schlecht oder gar nicht läuft, gibt es
eine Ausrede oder einen Schuldigen, der garantiert nicht in der Scharnhorststrasse sitzt. Wann ist man dort endlich bereit Verantwortung zu übernehmen sowie nachhaltig und glaubwürdig gemeinsam mit den Fans und Mitgliedern am Image des VfL zu arbeiten, statt für die Imagebildung ganzseitige Anzeigen in der NOZ zu schalten?

So geht es nicht. Das Präsidium und der Scherbenhaufen.

Der VfL hat ein Führungs- und ein Glaubwürdigkeitsproblem. Das wird leider, nicht nur im sportlichen Bereich, immer deutlicher. Um das zu untermauern würden wir gerne abschließend aus unserem eigenen Artikel vom 30. Mai 2015 zitieren:

“Ob das allerdings mit den derzeit Verantwortlichen geht, darf doch bezweifelt werden. Bei denen, die sich engagieren wollen, mehren sich die enttäuschten Stimmen, die unter dieser Konstellation nicht mehr aktiv an der Gestaltung der Zukunft mitwirken wollen.

Mit einigen Sponsoren, die aktiv an der Neuausrichtung des Vereins mitwirken wollten, eskalierte die Situation, so dass es Ende 2013 zum Zerwürfnis kam.

Die Verantwortlichen des VfL haben zu viele engagierte Fans und Sponsoren durch vorgetäuschtes Interesse mit anschließendem Hinhalten oder Untätigkeit verprellt und wirken für viele deswegen eher wie ein “Klotz am Bein des Vereins” auf dem Weg zu einer positiven Entwicklung. Darauf zu setzen, dass man – bei all den Unwägbarkeiten, die der Profifußball mit sich bringt – mal wieder ein großes Los in Form eines Aufstieges oder einer Pokalsensation zieht, entspricht wohl nicht dem oft betonten “seriösen Wirtschaften”.

Hier sind eine ehrliche Aufarbeitung der Vergangenheit, transparente, ehrliche Arbeit und vor allen Dingen gemeinsames Anpacken gefragt. Zahlreiche Vereine, von Union Berlin, über Eintracht Braunschweig bis hin zu Darmstadt 98, haben es uns vorgemacht. Das Potenzial ist in Osnabrück riesig: das beweist nicht zuletzt die vorbildlich von der Fanszene organisierte und durchgeführte Auswärtsfahrt nach Kiel. Man braucht nur diejenigen, die es durch Integrität und Empathie bei den Leuten abrufen. Die derzeitigen Verantwortlichen werden dies wohl nicht sein, sie haben sich offenbar dagegen entschieden. Das muss auch denen klar sein, die in diesem Jahr darüber befinden müssen, ob anstehende Vertragsverlängerungen, wie so häufig, ohne weiteres durchgewunken werden.”

Wir halten fest: Das neue Präsidium blickt schon nach 8 Monaten auf verbrannte Erde und tiefe Gräben. Und diese stammen nicht von ihren Vorgängern.

 

 

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